Gerhard Richter: Selected Editions

08 November – 23 December

Gerhard Richter ist sicher der bekannteste und einer der bedeutendsten deutschen Gegenwartskünstler.
Weniger bekannt sind hingegen seine Editionen, auf die sich die aktuelle Ausstellung der Galerie Schönewald und Beuse konzentriert. Im Gegensatz zu Richters Auseinandersetzung mit der Fotografie, für die er berühmt geworden ist, und seiner malerischen Interpretation derselben, wird in den Editionen auf andere Weise deutlich, inwiefern er sich den Fragen der Reproduzierbarkeit von Welt im Medium des Bildes widmet. Die Ausstellung ermöglicht einen Einblick in besonders seltene Exemplare, die aus verschiedenen Quellen zusammengetragen wurden. Bemerkenswert ist, dass die Motive dabei den Bogen von zu Beginn der sechziger Jahre entstandenen Fotomalereien, über abstrakte Gemälde, bis hin zu jüngst entstandenen Fotoübermalungen spannen. Berühmte Einzelportraits aus seinem Oeuvre wie Betty, Onkel Rudi oder Ema, werden von Richter ebenso aufgegriffen, wie Beispiele aus den Bildgattungen des Stilllebens (Kerze I bis III) oder Landschaftsbilder wie Wolken. Die Fotoarbeiten Guildenstern und Ophelia bilden zwei besonders schöne Beispiele von Richters abstrakten Motiven, deren sich durchdringende Farbverläufe ihre intensiv eindringliche Wirkung entstehen lassen. Gemeinsames Bindeglied der vielgestaltigen Arbeiten ist neben der Thematisierung der Reflexivität bildnerischer Medien die Frage nach der Originalität als konstitutives Kriterium moderner Kunst. Obwohl oder auch indem die Erscheinungen der originalen Bildvorlagen bis zu vier Stadien durchlaufen, bis sie letztlich im Medium des Drucks oder der Fotografie vervielfältigt werden, gehen die Editionen über ihren bloßen Reproduktionscharakter hinaus. Nicht nur Rahmungen, Passepartout und Verglasung verändern die Wirkung des Drucks. Auch feinste Beschneidungen der Originalgröße und kontrastreichere Umsetzungen sorgen dafür, dass ein neues Objekt entsteht. Durch dynamische und gestische Übermalungen mit dem Rakel entstehen überraschend neue Zusammenhänge zwischen der Vorlage und der Handschrift des Künstlers, die zusammen mit der Signatur das Werk individualisieren und ihm eine veränderte Bedeutung verleihen. Durch Richters Vorgehen wird der Betrachter dazu aufgefordert die gängigen Vorstellungen von Authentizität und Einzigartigkeit als Bewertungskriterien in der Kunst in Frage zu stellen.